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Pressemitteilung
Zustand geduldeten Nichtwissens
Pressemitteilung des Bundesumweltministerium (23.07.04)
Verbraucherinformation über neues Chemikalienrecht
Altchemikalien
Sie sitzen in Küchenlaminas und Textilien, in Reinigungsmitteln, Möbeln und Kosmetikas, im Allwetterlack und im Quietsch - Entchen der Kinder. Millionen Menschen sind mit ihnen täglich konfrontiert, dennoch sind viele von ihnen nie auf ihre Gefährlichkeit getestet worden. Selbst das Bundesumweltministerium hat inzwischen erkannt, dass es dringend notwendig ist, Schritte gegen die Gefahren die von gefährlichen Inhaltsstoffen ausgehen einzuleiten und informieren die Verbraucher über die bevorstehende Reform des europäischen Chemikalienrechts.
„Ob im Shampoo, im Beißring oder in der Regenbekleidung, die Erzeugnisse der chemischen Industrie begleiten uns ein Leben lang. Viele dieser Stoffe sind niemals auf ihre gesundheitlichen Wirkungen untersucht worden. Das neue europäische Chemikalienrecht wird dies ändern und Verbraucherinnen und Verbraucher besser schützen“,
sagte Bundesumweltminister Jürgen Trittin.
Einer systematischen Prüfung auf gefährliche, etwa hautreizende, allergieauslösende oder krebserregende Eigenschaften unterliegen bislang nur die so genannten "Neustoffe". Das sind rund 4.000 Stoffe, die seit 1981 in Europa erstmals auf den Mark gekommen sind. Für die mehr als 100.000 so genannten "Altstoffe" gibt es derartige systematischen Prüfungen bislang nicht. Viele dieser Stoffe wurden niemals auf ihre Gefährlichkeit untersucht.
"In der Vergangenheit haben wir oft nur durch Zufall oder durch Unfälle von den Gefahren erfahren. Das muss anders werden. Alle Stoffe, die im Verkehr sind, müssen in ihren wesentlichen Eigenschaften bekannt sein",
sagte Bundesumweltminister Jürgen Trittin.
Seit 1981 mussten zumindest die neu vermarkteten Chemikalien gründlich untersucht und angemeldet werden. Von rund 4000 Stoffen wurden seitdem kontrollierte Prüfberichte auf Wassertoxizität und Bioakkumulation, Krebsverdacht und Abbaubarkeit sowie viele andere Eigenschaften bei dem Umweltämtern eingereicht. Je größer die Menge der Chemikalien, je riskanter ihr chemisches Profil, desto aufwändiger sind die Anforderungen der Behörden. Doch die neuen Stoffe machen nur gut 3 % aller Chemikalien aus. Ihnen steht der riesige Pol längst eingeführter alter Substanzen gegenüber, die in einer mehr als 100.000 Stoffe umfassenden EU-Liste eingetragen sind. Mit dem Versuch, auch diese Stoffe zu untersuchen, ist man bisher kläglich gescheitert. Zwar wurde im Jahr 1997 eine EU Altstoffeverordnung erlassen, aber nur 85 Altstoffe konnten in den letzten zehn Jahren nach dieser Verordnung aber tatsächlich durchgecheckt werden. Erst bei 28 liegt eine gemeinschaftlich verabschiedete Risikobewertung vor. Zu zögerlich flossen die Daten, zu schwach waren die Kompetenzen der Behörden. Wenn man im gleichen Tempo weitermachen würde, rechneten Beobachter vor, werde man frühestens im Jahre 5004 mit den Altstoffen durch sein. Mit anderen Worten:
Bei 97 % aller jemals in der EU vermarkteten Chemikalien besteht ein Zustand geduldeten Nichtwissens.
In einer Zeit, in der abnehmende Fortpflanzungsfähigkeit, Krebs und eine ständig zunehmende Lawine von Allergien uns immer mehr Sorgen bereiten, muss gerade in der Chemiepolitik die Gesundheit und Sicherheit der Menschen an oberster Stelle stehen.
Verkürzte Fassung.
